11.02.2026
Zurückgestellt, was zählt – geplant, was glänzt
Ein Blick in die Vorlage 2/2026 für den Liegenschaftsausschuss am 19. Februar zeigt eine deutliche Schieflage:
Über 50 Maßnahmen in Schulen, Kitas, bei Sicherheit und Barrierefreiheit sollen zurückgestellt werden, während an zentraler Stelle in der Innenstadt ein Verwaltungsneubau mit einem Volumen von rund 40 Millionen Euro geplant wird. Das wirft Fragen nach der richtigen Prioritätensetzung auf.
Während in Pulheim zahlreiche dringend notwendige Maßnahmen zurückgestellt oder auf unbestimmte Zeit verschoben werden sollen, laufen andere Projekte weiter – teils unabhängig davon, ob sie aktuell einen spürbaren Nutzen für Bürgerinnen und Bürger entfalten. Die aktuelle Übersicht (im LHA) zeigt ein klares Bild: Mehr als 50 Vorhaben sollen zurückgestellt, aufgeschoben oder blockiert werden. Betroffen sind vor allem Bereiche, die den Alltag vieler Menschen unmittelbar berühren. Zurückgestellt werden sollen unter anderem:
- Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen an Schulen (WC-Anlagen, Alarmierungs- und Sicherheitstechnik, Fachräume)
- Maßnahmen bei zahlreichen Kitas, bei denen notwendige Küchen-, Fassaden- oder Innenraumsanierungen warten müssen
- barrierefreie Toiletten auf Friedhöfen
- Brandschutz- und Sicherheitsmaßnahmen in Turnhallen und Sportanlagen
- Konzepte und Sanierungsfahrpläne für öffentliche Gebäude, die Grundlage für eine verlässliche Zukunftsplanung wären
Gerade diese Maßnahmen betreffen Kinder, Familien, Ehrenamt, Sicherheit und Barrierefreiheit – also Themen, die im täglichen Leben eine große Rolle spielen. Gleichzeitig laufen andere Projekte weiter Dazu zählt auch das geplante Bürogebäude Jakobskarree in der Pulheimer Innenstadt. An der einzigen Fläche, die man in dieser Lage noch als echtes Filetstück bezeichnen kann, soll ein Verwaltungsneubau mit repräsentativem Anspruch entstehen. Die aktuell veranschlagten Kosten liegen bei rund 40 Millionen Euro – für ein Projekt, das sich noch ganz am Anfang der Planung befindet. Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage nach der Prioritätensetzung. Während dringend notwendige Investitionen in Schulen, Kitas, Sportanlagen und barrierefreie Infrastruktur warten müssen, wird an einem der wertvollsten Innenstadtstandorte ein großflächiger Verwaltungsneubau weiterverfolgt – mit langfristigen finanziellen und städtebaulichen Folgen. Die Relation ist entscheidend. Es geht dabei nicht um ein Gegeneinander einzelner Projekte. Aber die aktuelle Prioritätensetzung wirft Fragen auf.
„Warum warten ausgerechnet Maßnahmen, die Sicherheit, Bildung, Barrierefreiheit und Alltagstauglichkeit betreffen, während gleichzeitig ein kostenintensives Projekt mit eher repräsentativem Charakter weitergeplant wird? Eine transparente Priorisierung, klare Zeitperspektiven und eine nachvollziehbare Abwägung wären wichtig, um Vertrauen zu schaffen und verständlich zu machen, warum manches warten muss – und anderes nicht.
Pulheim braucht Investitionen, die spürbar ankommen. Dafür ist eine offene Debatte über Prioritäten unerlässlich“, meint die Fraktionsvorsitzende Birgit Liste-Partsch.



